A Perfect Circle – Eat The Elefant

Brandneu und daher ungehört. Jetzt kann sich jeder sein eigenes Bild machen. Für mich war es ein „Pflichtkauf“, da ich mit „Mer De Noms“ und „Thirteenth Step“ viel gute Momente hatte. Das Artwork ist allerdings, nun…, naja… gewöhnungsbedürftig, ehh…, ne… eigentlich einfach nur scheiße. Trotzdem viel Spaß!

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War on drugs – Lost in the dream

Moinsen, hochverehrte Leserin,

Karete hat sehr amerikanisches im Sack, War on drugs. Als ich das erste Mal hörte dachte ich sofort, das hört sich an, als wie wenn der Boss und die E-Street Band spielt und Robert Zimmerman dazu singt. Erstklassig. Manche beschreiben, dass auch als Dire Straitig. Stimmt wohl, gerade was die Liederstruktur angeht. Habe gelesen, dass die Kritiker das aktuelle Album, a deeper understanding als bestes Werk der Truppe abfeiern. Ich finde den Sound gut, aber mir fehlt die Würze. Vielleicht muss ich’s auch noch ausgiebiger hören. Mein derzeitiger Favorit ist jedoch das Vorgängeralbum, lost in the dream. Ein Kompilation zum wegfahren oder verträumt auf der Stelle tanzen. So wie auch anders übelgeil. Nicht zu verachten ist Die erste LP whagonwheel Blues ist auch einfach Wahnsinn noch uriger und krautiger, aber nicht so zusammenhängend.
Das unten angehängte Video allerdings präsentiert die perfekte Mischung der beiden Scheiben. Especially der Öffner arms like boulder und under the pressure, bei dem das Soxophon röhrt wie Hirsche auf der Balz.
Küsse und Liebe und viel und Spaß beim Genießen

euer Käpt’n Karete

Bandpage: www.thewarondrugs.net

Maze (-Trio) – Foolpark-sessions EP & Johnny be rude EP (Nachtrag August)

Heyheyhey ihr Gartenzwege,

langelange Verspätung vom Saitenfeldwedel Karete. Entschuldigungen bringen nur Lappen und echte Sünder. Ich hab nix verkehrt gemacht. Da ich aber weiß wie sehr ihr mich vemisst habt, möcht ich euch aber kein Kerzchen auf dem Esstisch anzünden sondern eher einen Furz auf’m Sofa oder noch lieber einen Düsenantrieb unterm Klositz.

Gestatten Maze oder neuerer auch Maze-Trio oder aktuell gar nix mehr? Was? Maul zu und zuloosa. Während meines Provinzilantendaseins in Konstanz lernte ich den absolut famosen Horst Club kennen: https://www.horstklub.ch/ Wie man an der Netzadresse unschwer erkennen kann, befindet sich selbiger im außereuropäischen Ausland, zumindest was die Staatenvereinigung angeht. Der Laden ist wohl eine der allerfeinsten Adressen für Livegigs im deutschsprachigen Einzugsgebiet. Wenn man in der Nähe ist, besteht also absolutes Hingegebot! Die heutige Kapelle spielte dort als Aufheizer für die WeAreZ.
Maze, Geile Kombo, drei Pipls, nicht ein Kollege zu wenig und kein Kaschper überflüssig. Einfach ne geilen Truppe. Experimentalrock frisch aus den Neunzigern, garantiert ohne jeden Gefrierbrand. Hier ein Auszug aus der hauseigenen Beschreibung:

Maze live: Das ist Schamanengesang an den Donnergott, sanftes Röhren und irres Screamen,
Wolkenritte – Traummusik mit feinen Bassflageoletts, später Wüstenlieder, Cowboygeschichten vom Rand des Highways und am Rande des Wahnsinns. Und der Chefdesperado erzählt von seinen Schiessereien, Liebeleien und Flossfahrten durch Raum und Zeit. Das ist Funk, das ist Rock’n’Roll, das ist aber auch Experimental und Jazz, psychedelisch und melancholisch, weich und wütend. […]
Man hört, dass die Musik in nächtelangen Jams gewachsen, nicht im stillen Kämmerchen komponiert ist und nicht im Kämmerchen konsumiert werden soll. Sie riecht nach Schweiss und Rauch, Sommernacht und Dosenbier.
[…]

Und das läuft gut! Seit der Bandgründung folgten unzählige Gigs in Kneipen und Clubs, Beizen und Spunten in und um Luzern, gekrönt vom spektakulären Sprungfeder-Finale 2012, später eine erste EP (Foolpark Sessions) und der Ausbau des bandeigenen Proberaums im Luzerner Szenelokal Miles. Maze hat sich seit ihren ersten Jams vor einigen Jahren weiterentwickelt, wurde experimentierfreudiger, vielleicht nachdenklicher, lernte auch, in kritischen Momenten keinen Fuck zu geben, sondern einfach Musik zu machen für sich und die klein-feine Fangemeinde in Luzern.

by Béla Rothenbühler

Richtig so. Bei ihrer ersten EP (Follpark-sessions EP, 2012) nannten sie sich nur Maze. Wenn man allerdings Maze und CH bei Lycos eingibt, wird einem schnell bewusst, dass sich in der Schweiz diverse Musikerzirkel unter diesem Namen rumtreiben. Wohl deswegen nannten sich die Rumpelstilzchen fortan Maze-Trio. 2015 folgte dann ihre Johnny be rude EP. Mr. Raketenstiefelinsky hat euch gönnerhafterweise gleich beide Kurzspieler aufgetischt. Feines Zeug. Vom funkig-swingenden bis auf’s-mauligen swing with me über experimental-instrumentelle Intros and Outros bis zu balladenhaften Stücken wie Farewell ist alles drauf. Auf MC Shredda geben sie dann auch noch alpenländische Dialektalfolklore sowie überzeugende Mehrsprachigkeitkenntisse zum Besten. Sound fetzt in jedem Stadium und Frontfratz Glauco Cataldo röhrt gekonnt wie Eddi Vedder.
Leider ist keine ihrer Webadressen mehr abrufbar. Wie auf ihrer Facebookseite zu lesen liegt das daran, dass sich die Nasen entschlossen haben das Projekt im Winde verwehen zu lassen. Anlass genug sich die feinen Stücke bei Soundcloud runterzuhören: https://soundcloud.com/mazetrio
In der Summe: Bester Rock für die Hose, richtig Funk’n’Roll ihr Weltraumäffchen (Can you hear me Major Song?)

Parquet Courts – Light Up Gold

Liebe Kometenschweife. Seid ihr schon verglüht oder warum ist hier tote Hose? Um das herauszufinden hat sich Major Tom auf den Weg gemacht, um euch im weiten Nichts aus Stress, Bocklosigkeit oder wasauchimmer wieder einzufangen. In der endlosen Ruhe da draußen hat er sich wieder darauf besonnen, was hier wirklich zählt: viel Sound und wenig Text! Auf dem Rückweg hat er zum Pissen noch einen kurzen halt auf Rock ’n Roll eingelegt und euch einen schönen AdM-wannauchimmer-Rohdiamanten mitgebracht…
Cover
Anlässlich des Schlüpfens des großen FrankALingua habe ich letztens mal wieder so ein richtig geiles Mixtape zusammengestellt. So richtig mit 90 Minuten auf Band (oder so) und so. Und da ist einfach ALLES drauf. Heißt deshalb auch so. ALLES. Von Chanson bis zu den Pet Shop Boys. Für die Songauswahl habe ich den VergangenheitsMax auf den Plan gerufen. Gemeinsam haben wir dieses Paquet Courts-Album ausgegraben. Borrowed Time ist auf ALLES gelandet. Der Rest ist wie für euch gemacht.

Die Zeit hatte das Album damals auf ihrer Best of 2012-Liste. Glaube ich. Auf jeden Fall habe ich mir die Scheibe besorgt und das halbe Jahr während meiner Diplomarbeit hoch und runter gehört, hart abfeiert. Immer. Und dann war irgendwie Schluss. Ich weiß auch nichts über diese Band zu berichten, in kein anderes Album reingehört. Ich weiß nur: Das hier ist richtig feiner Rock ’n Roll. Ungeschliffen. Handgemacht. Immer Up-Tempo und gerade wunderbar passend zu meiner Pavement-Feierei. Hauts rein! El Majore del Tomo

Voodoo Jürgens – Ansa Woar

Auch wenn der liebe Kollege noch mit seinem Beitrag auf sich warten lässt, möchte ich die  Steilvorlage nutzen und einen weiteren Vertreter der  königlich-kaiserlichen Musikindustrie zu besprechen. Nach Wanda und Bilderbuch ist es nun an mir den nächsten Akt mit grenzüberschreitender Relevanz vorzustellen. Schon wieder „deutsch“ mögen jetzt vielleicht einige von euch denken, doch „Bilderbuch“ haben mit dem Herrn Jürgens so viel gemein wie ein Flusensieb mit einem Pfandflaschendieb. Flüchten sich die einen in Anglizismen und Rap-Frasen, um die deutsche Sprache sangestauglich zu machen, singt der Voodoo einfach in Wiener Mundart. Dabei lutscht er die Vokale so herrlich mozart-kugelrund, dass einem vor Begeisterung die Melange aus den Mundwinkeln läuft.  Das Debutalbum Ansa Woar (Einserware) läuft bei mir gerade rauf und runter. Wobei ich zugeben muss, dass die Faszination für dieses Album weniger dem handwerklichen Musizieren zu Grunde liegt. Denn die Musik an sich ist einfach, typisch für einen Liedermacher, Gitarre, Mundharmonika  und ab und zu mal ein Leiherkasten als nostalgisches Stilmittel. Was mich wirklich von den Socken haut, sind die Texte, vielmehr die kleinen Geschichten, die einem dieses windige Zigaretten-Bürschel so gekonnt in die Ohren säuselt.

voodoo-juergens

Bei genauerer Betrachtung der Vita des Künstlers, mit gebürtigem Namen David Öllerer (geb. 1983) wird schnell klar, dass die Geschichten, die uns der kleine Voodoo da so erzählt meist aus einer anderen Zeit  stammen als der, in der Interpret wohl aufgewachsen ist – einer Zeit in der man „Gentrifizierung“ noch für eine tropfende Geschlechtskrankheit gehalten hat. Die erzählten Geschichten erinnern mich stark an Romane wie „Ham On Rye“ von Charles Bukwoski oder „Tod auf Kredit“ von  Louis-Ferdinad Céline – autobiografische Erzählungen, die erbarmungslos die Niedertracht, den Egoismus und die Kleingeistigkeit der Menschen aus dem Prekariat offenlegen (Nochborskinda, Tulln). Doch der so oft  zitierte Wiener Schmäh verleiht Voodoos Texten eine wunderbare melancholische Art, sodass man allen besungenen Lumpen, Herumtreibern, Huren und Leichenschändern sofort wieder verzeihen möchte. Voodoo Jürgen schlüpft bei diesem Mummenschantz in die unterschiedlichsten Rollen: Beobachter (3 gschichten ausn Cafe fesch, Hansi der Boxer), leichtes Mädchen (Gitti) oder autobiografischer Erzähler (Tulln). Gekonnt beherrscht er dabei das Spiel mit Stereotypen und setzt die Leitmotive seiner Texte Morbidität, Milieu und Schmäh dabei immer so ein, dass diese nie aufgesetzt wirken – voll authentisch, der umdrahde Hund!

Neben der wirklich eingängigen Singel Heite grob ma Tote aus ist der Rest der Platte etwas sperriger. Man muss sich schon wirklich auf den Wiener Dialekt einlassen, um in den vollen Genuss zu kommen. Heißt, ein kurzer Besuch im Kaffehaus reicht nicht aus, acht bis zehn Gösser  und zwei  bis drei Runden auf dem Plattenteller sollten dann aber reichen, um die meisten Vokabeln zu verstehen.

Ich halte Herrn Jürgens auf jeden Fall für einen begnadeten Liedermacher, der den Vergleich mit Danzer, Wecker, Ambros und Co nicht scheuen braucht – nur mit einer Spur mehr Augenzwingern!

Viel Spaß!